Eis

Warum und wie ich mich heute morgen auf die Schnauze gelegt habe:

Bevor ich aus dem Haus gehen wollte, sagte mir mein Vater:”Hier pass auf, es ist spiegelglatt draußen. Ich kam nichtmal bis zum Auto. Du wirst eh nicht bis zum Büro kommen und deine Kollegen noch viel weniger!”

In mir keimte just in diesem Moment der Trotz eines Sohnes auf und eine Stimme in meinem Kopf, die nicht besonders helle war, sprach:”Pah, klar packste das bis ans Büro. Das sind Luftlinie 200 Meter und zu Fuß sinds 300 die Straße hoch. So glatt wirds eh nicht sein. Der Mann übertreibt.”

Nun gut, ich trat also vor die Haustür und bemerkte sofort:”Nun gut, übertrieben hat er nun wirklich nicht”, denn es war eine einzige Eisdecke von der Haustür bis zur Straße. Hierzu sei noch erwähnt, dass sich sehr intelligente Leute überlegt hatten die Gehwege hier im Neubaugebiet von Altenbamberg mit so kubischen Steinen zu pflastern und die Zwischenräume mit Sand aufzuschütten, damit genau so etwas nicht passiert. Dumm gelaufen.

Dieses bin ich dann auch; Also dumm gelaufen, denn mit Gummisohlen auf Eis läuft man nicht gerade wie ein Bruce Darnell sondern eher wie Godzilla, der sich zuviel Whisky reingepackt hat. Nichtsdestotrotz kam ich bis zum Büro ohne Sturz und mein Selbstbewusstsein machte einen Salto Mortale vor Freude. “Yeeeeaaaahhhh ich wusste doch, das geht!” Und es ging. Ich trotze der Natur.

Gartentörchen aufschließend und den Weg zur Bürotür betrachtend, sagte eine sehr intelligente Stimme in meinem Kopf:”Jetzt bist du so weit gekommen. Schau dir diesen Weg an. Nach 3 Stufen kommt ein abfallender Weg, welcher zu 100% von Eis überdeckt ist. Wie willst du da runterkommen, wenn nicht auf deinem süßen, kleinen (er ist wirklich klein) Arsch? Das ist nicht möglich!”

Aber dank des gestandenen Salto Mortale des Selbstbewusstseins schob ich die Stimme der Vernunft beiseite und dachte:”Haja, klar, ich rutsch einfach da runter. Ganz elegant, stehend auf beiden Beinen und unten bremse ich dann irgendwie!”

Wie ihr jetzt sicherlich an dieser Stelle bemerkt: NEIN DER PLAN WAR NICHT BIS ZU ENDE GEDACHT!

Also wackel ich die Stufen runter; Ich halte mich am Geländer fest; Alles ist gut. Dann kommt “die Rutsche”. Ich lasse das Geländer los, hab in der anderen Hand meine Flasche mit zuckerhaltigem Wasser darin und gehe einen Schritt vor. Nur einen einzigen Schritt und auch nur um zu sehen, wie glatt es wohl ist, denn es könnte ja weniger glatt sein als bisher überall.

Schon war ich unterwegs. Es gab weder Halten noch Stoppen und die Beschleunigung war durchaus überraschend, denn sooo steil ist der Weg nun auch wieder nicht; Aber es reichte und dann kam da noch so eine halbe Drehung hinzu, die ich nun wirklich nicht eingeplant hatte.

Zackbumm knirsch knack lieg ich auf dem Bauch, hab mit der oberen Stirn, der rechten Hand und meinen Knien gebremst, die Flasche steht aufrecht da, als wolle sie sagen:”Also ICH stehe noch im Gegensatz zu dir!” worauf ich mir denke:”Ich hätte dich erst runterschieben sollen und dann nachkommen!”

So wurde aus einem locker flockigen “ich rutsch eben mal zur Bürotür” ein Abschlag, der sich gewaschen hat. Interessanterweise stellte ich mir erst dann die Frage, wie ich da je wieder hoch kommen soll, aber das habe ich dann schließlich auch geschafft. 3 Stunden später, mit brummendem Schädel, einer schmerzenden Hand, einigen abgebrochenen Fingernägeln und … auf allen Vieren.

  1. von nice2meatu gepostet
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