Selbstständigkeit, Würde, Stolz

Per Definition bedeutet “selbstständig” ja, dass man ständig alles selbst macht. Sei dies nun im privaten oder im geschäftlichen Bereich, sobald man sich selbstständig macht, ist man verantwortlich für sein Tun und Schaffen und sollte sich den Dingen stellen, die da so auf einen warten.

Der Dinge zu harren, die da kommen mögen oder all seine Arbeit zu delegieren widerspricht der Selbstständigkeit. Genauso nicht in der Lage zu sein die grundlegenden Arbeiten zu verrichten, die sich einem so entgegenstellen, ist das Gegenteil dessen, was wir im Allgemeinen darunter verstehen, wenn wir davon sprechen, dass “einer selbstständig lebt.”

Nun ist die Lage so, dass ich derzeit in einer, mhm… nennen wir es mal WG wohne. Mein Mitbewohner ist gerade über die Mitte seines Lebens hinaus und bringt sehr viel Lebenserfahrung mit, was ihn im Grunde zu einer äußerst selbstständigen Person machen würde.

Würde. Das ist auch so ein Wort, welches man im Grunde mal auseinander nehmen sollte, damit es sich der Allgemeinheit erschließt.

Die “Würde” ist eine Art der Seinsbestimmung eines Individuums, was soviel bedeutet, dass man sich oder einer Person oder gar einem Objekt einen gewissen Wert (von diesem Wort stammt Würde ab) zuweist, um den es sich verdient macht durch sein Dasein, seine Fähigkeiten oder sonstiges, unwichtiges Gedönse wie moralische Vorstellungen oder so.

Wenn sich diese beiden Dinge in einem Menschen vereinen, also die Würde und die Selbstständigkeit, dann ist das schonmal ganz schön toll.

Sollte es der Fall sein, dass einem Menschen diese beiden Eigenschaften fehlen, dann steht diese Person barfuß und im Schlafanzug in der Küche mit einer aufgetauten Tiefkühlpizza vor sich auf der Arbeitsplatte und fragt, wie denn der Ofen funktioniere, denn das Licht sei an, die Temperatur auf 250° aber es würde einfach nicht warm in dem Teil.

Zugegeben es ist nicht gerade einer der einfachen Öfen, denn er hat zwei Rädchen für den Ofen. Eins für die Temperatur und eins für Umluft, Oberhitze, Unterhitze und Kombinationen derselbigen, nebst vier weiteren Rädchen für die 4 Induktionsplatten.

Darauf folgte die Frage, wie lange man denn so eine Pizza im Ofen lassen müsse und woran man erkennt, dass der Ofen vorgeheizt sei. Mhm. Verpackungen unserer heutigen Futterhersteller warten inzwischen ja nicht nur mit den Anweisungen fürs Kochen auf sondern bieten einem gleichzeitig Zubereitungsvorschläge an, erklären aus was sich das gute Essen zusammenstellt, verraten etwas über die Unternehmensphilosophie derer, die das ganze hergestellt haben und im schlimmsten Falle sind noch Gewinnspiele und Gimmicks drauf. Ebenfalls sehr verwirrende Geschichte und wer will das alles auch lesen? Mein Mitbewohner jedenfalls nicht, denn mich zu fragen war definitiv der schnellere und einfachere Weg (der des geringsten Widerstandes).

Es ist doch beinahe ein Wunder, dass der Mann ein Mann wurde von 52 Jahren ohne zu verhungern; Denn die Dritte Eigenschaft, über die ich heute schreiben will, ist der Stolz.

Stolz ist eine recht ambivalente Geschichte, denn es gibt nicht nur den stolzen Papa, der zum ersten Mal sein neugeborenes Kind in den Armen hält, es gibt auch den stolzen Fanatiker, der für seinen Glauben meint er könne mit selbstgebastelten Sprengstoffpäckchen Silvester vorverlegen und einen lauten Knaller inmitten einer Menschenmenge mimen.

Ich finde es zum Beispiel absolut in Ordnung stolz zu sein, wenn man gute Taten vollbringt. Man darf stolz auf sich sein, wenn man die Hürden des Lebens meistert und sich dabei nicht fremder Hilfe bedienen muss. Man sollte sich aber nicht zu stolz sein, womit wir wieder bei meinem Mitbewohner wären, sich selbst ein Brot zu schmieren, seine Wäsche zu waschen oder mal durch die Wohnung mit einem Staubsauger zu wandeln. Vor allem nicht, wenn man stattdessen anderen sagt:”Ja, also ich hätte ja schon Hunger” oder “Boah, ich hab bald nix mehr anzuziehen” oder “Wie kannst DU eigentlich in so einer Wohnung leben, gerade wo du doch ne Stauballergie hast.”

Und abschließend nun noch die Bitte, dass doch jeder ganz kräftig auf den “Gefällt mir” Button klickt, wenn ihm so etwas irgendwie bekannt vorkommt oder er sich zumindest einen Schmunzlr abringen konnte, da er mal gehört hat, dass es solche Menschen gibt.

Short URL for this post: http://tmblr.co/ZZKzKy2eoVN_